Schüler*innen denken Geschichte. Subjektorientierung im Geschichtsunterricht und in der Politischen Bildung


Der Begriff der „Subjektorientierten Geschichtsdidaktik“ hat in den letzten Jahren vermehrt Einzug in den geschichtsdidaktischen Diskurs gehalten. Dabei handelt es sich keineswegs um eine hochtrabende Umschreibung des traditionellen didaktischen Prinzips der „Schüler*innenorientierung“ oder „Schüler*innenzentrierung“. Vielmehr wird dieses didaktische Prinzip auf eine tragfähige theoretische Grundlage gestellt, indem lebensweltliche, konstruktivistische, hermeneutische und systemtheoretische Überlegungen miteinander in Verbindung gebracht werden. Zudem wird eine Methodik diskutiert, mit der diese theoretischen Überlegungen in die Unterrichtspraxis übertragen werden können, um das Zusammenwirken aller Akteur*innen zu verbessern. Neben theoretisch-strukturellen Überlegungen und pragmatischen Orientierungsangeboten sind daher auch empirische Forschungsdesigns zu entwickeln.

Subjektorientierte Geschichtsdidaktik stellt das Individuum mit seinen bisherigen Erfahrungen in den Mittelpunkt didaktischer Überlegungen und betrachtet es nicht als isoliertes Wesen, sondern im sozialen Kontext. Vorstellungen von Geschichte und Politik werden als von Sozialisation und Erziehung beeinflusste Konstrukte verstanden, die sich wandeln können. Subjektorientierung zielt somit darauf ab, soziale Abhängigkeiten bei der Deutung der Vergangenheit bewusst zu machen und Lernräume zu schaffen, die eine Reflexion und Erweiterung bzw. Differenzierung individueller Deutungen ermöglichen.